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2002.09.23 östereichischen Radiosender Ö1, Interview in German

Interview mit Simon Keenlyside für den östereichischen Radiosender Ö1, gesendet am 23 September 2002, das er in Deutsch gab.

Transkription: Ursula Turecek.

SK1

SK: Ich finde, dass der Billy Budd, er ist nicht ein Lamm, gerichtet wird, aber ein junger Mann und alle junge Männer sind naiv und innocent – wie sag ich „innocent“ auf Deutsch ? (unschuldig) – unschuldig, natürlich, und ich denke, dass er ist ein einfacher junger Mann und man muss dem Text und Musik trauen, nicht zu viel spielen.

Das Thema „spielen“, glaub ich, beherrscht Ihre Art des Seins auf der Bühne sehr – wie Sie sich geben. Wenn ich daran denke, wie Sie auch zum Beispiel den Grafen in „Le Nozze di Figaro“ gespielt haben, dann ist das nicht eine Figur, die man halt so künstlich erfindet, sondern da ist wirklich ein Mensch, der mit allen seinen Schwächen auf der Bühne steht und der auch gerade mit Eifersucht sehr sehr viel zu kämpfen hat, obwohl er ja eigentlich gar keinen Grund dazu hätte.

SK: Ja, genau. Das man muss trauen, dass, wenn ein Genie hat… wie da Ponte oder Mozart hat etwas geschrieben, das ist es kompliziert genug, man dürfen nicht zuviel spielen, nur mit Text arbeiten und – (eigentlich sein) – ja (ja), dann man kann alles machen, wenn man wirklich in dringendem Grant ist.

Wo geht’s denn so hin für Sie jetzt, auf der Opernbühne ? Mozart, Britten – wie weit gehen Sie mit Ihrer Stimme ?

SK: Die Fachsystem interessiert mir gar nichts. Ich liebe Mozart immer, aber man kann nicht sagen, dass „Don Carlos“ oder „Onegin“ ist schlechter, ich muss das probieren.

Wann ?

SK: „Onegin“ in Paris, im April, März und „Carlos“ mit einem Freund von mir, ein wunderbarer, aus Österreich, Musikant, Franz Welser-Möst, in Cleveland, mit Orchester in Konzert. Ja.

Konzert ist auch ein Schwerpunkt für Sie. Lieder sind für Sie etwas, wo Sie sehr, sehr oft hier  auch in Wien zu hören waren jetzt in der letzten Zeit, bei den Salzburger Festspielen, und wie ich gelesen habe, da werden Sie im Dezember in New York eine ganz ausgefallene Sache, die „Winterreise“ mit Trisha Brown als choreographisch inszeniert – was wird das denn werden?

SK: Mal sehen. Ich bin nicht die erste und bin nicht die letzte mit diese Stücke – keine Ahnung. Aber Lieder ist für mich Freiheit, Kammermusik – mein Vater war in Streichquartetten und dies ist meine einzige Möglichkeit, wie ich auf der Bühne mit eine Pianist mit diese wunderbare deutschen Gedichten vom 19. Jahrhundert bin, ich…. ah – unglaublich. Man muss das nur voll erleben, wir alle verstehen das, das ist nicht ein Hochkunst, es ist das Leben und ich liebe diese Art. Die Hälfte von mein Arbeit wird immer Lieder sein.

Diese Konzentration ist auch etwas, nehme ich an, was eine Herausforderung ist, weil man ja da so oft zwischen verschiedenen Stimmungen innerhalb kürzester Zeit hin- und herspringen muss.

SK: Ich finde es sehr schwer, Lieder neben Oper zu singen, das finde ich furchtbar. Manchmal finde ich, ich hab einen Fehler gemacht und kann nicht die Oper singen, diese Vorstellung oder zu spät ruh ich mit meiner Stimme und die Liederabend ist zu „fett“, aber ich muss es probieren. Ich mag das viele kleine Farbe und ganz subtil. Ich mag das.

Wie lange brauchen Sie denn so zwischen den beiden Medien Oper und Konzert, um sich da eben umzustellen, um da auch die Stimme zum Beispiel für den Liederabend nicht zu breit, so „fett“, wie Sie gesagt haben, zu machen und plötzlich schmäler werden ?

SK: Hm.. Gute Frage. Bei ideal eine Woche, 10 Tage, weil natürlich man muss für den Liederabend probieren und manchmal ist erst im letzten Moment, man hat 4 Tage, um den Liederabend zu probieren und das ist auch zuviel mit 2 Stunden pro Tag.

Gibt es Pläne für Sie wieder in Wien für die Staatsoper jetzt nach dem „Billy Budd“ ?

SK: Noch nicht. Nur im Artikel, aber ich möchte, ich möchte gerne. Ich weiß, dass die moderne System mit nicht zuviel Probe ist auch nicht ideal, aber wenn man hat gute Kollegen auf der Bühne und Lust zu arbeiten, besser, eine Woche zu arbeiten als sechs Wochen schleppen und ich muss sagen, dass in München und in Wien das Akustik im Saal ist für den Sänger wunderbar und das ist auch wichtig.

Next interview 2002.08.23 Austrian Radio (Oe 1), broadcast >>>

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