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2016, Vienna, Macbeth

Macbeth

 

Composer : Guiseppe Verdi
Librettist : Piave after Shakespeare’s tragedy
Venue and Dates : Vienna Staatsoper
8, 11, 14, 17 December
Conductor : Evelino Pidò
Production : Christian Räth
Staging: Gary McCann
Light: Mark McCullough
Video: Nina Dunn
Performers :
Macbeth: Simon Keenlyside
Banquo: Jongmin Park
Lady Macbeth: Tatiana Serjan (8.12.)/ Martina Serafin
Macduff: Jorde de Leon
Malcolm: Bror Magnus Tødenes
Spy: Ayk Martirossian
Lady-in-waiting: Lydia Rathkolb

Photo Gallery

Sound Bites

Renate Wagner, der-neue-merker.eu,9.12.2016

“Die gute, sehr gute Nachricht für die Wiener Simon-Keenlyside-Fans (in New York und Mailand weiß man es schon): Die Stimme ist wieder da. Nicht weniger als früher, nicht mehr als früher, sie klingt auch wie immer. Und da ist die Kraft, eine ziemlich lange Verdi-Rolle ohne Ermüdungserscheinungen durchzuhalten. Und die bemerkenswerte Technik, auch ohne natürlich strömende Stimmfülle die Verdi’schen Kantilenen zu erfüllen.

Die andere Nachricht ist die bekannte: Es ist keine Verdi-Stimme, war es nie, wird es nie sein. Jeder weiß es, mit einiger Sicherheit auch Simon Keenlyside selbst, der im Laufe seiner Karriere beschlossen hat, sich darüber hinweg zu setzen. Dabei hat er doch ein bemerkenswertes Repertoire – Mozart (der neurotischste Graf, der exzentrischste Don Giovanni), den Eugen Onegin (als darstellerische Leistung besonders bemerkenswert in der „schwulen“ Münchner Inszenierung) und die halbe oder ganze Moderne von Wozzeck bis zum Prospero.

Aber Keenlyside will Verdi singen, wobei ihm der Posa wirklich gut gelungen ist, der Germont ein interessant ungehaltener Herr, seinen Ford haben wir in Wien nie gesehen, Rigoletto (auch schon vor der missglückten Premiere) und Macbeth sehr wohl. Der Maskenball-René, für München und Wien angesetzt und an beiden Häusern abgesagt, wird es wohl nicht mehr werden.

Als Macbeth kehrte Keenlyside, der 2009 die Premiere (und alle Reprisen) der nur sechsmal gespielten, verheerenden Nemirova-Inszenierung gesungen hat, nach zweijähriger Pause nun an die Staatsoper zurück, in der Inszenierung von Christian Räth, die sich schnell als brauchbares Repertoire erwiesen hat. Optisch zwar langweilig in ihrem Grau in Grau, wird die Tragödie im Military-Look logisch und überzeugend erzählt und gewinnt durch die geschickte Führung der Hexen durchaus die nötige irrationale Dimension.

Und Simon Keenlyside zeigt, wie ein ordentlicher Opernabend zu einem spannenden werden kann, wenn sehr braver Sänger durch einen Sängerdarsteller abgelöst werden, der Macbeth zu einer durch und durch aufregenden Studie macht. Verunsichert von Anfang an (durch die Prophezeiung der Hexen), verliert er, als er nach dem Mord mit den blutigen Händen zurückkommt, den Boden unter den Füßen – allein zuzusehen, wie diese Hände, die er immer wieder mit einem Taschentuch abwischt, für ihn zu einer steten Erinnerung an seine Schuld werden, ist ein bemerkenswertes darstellerisches Detail. Macbeth am Rande des Nervenzusammenbruchs, kein obligatorisches Erschrecken beim Gastmahl, wenn er Banquo sieht (in dieser Inszenierung erscheint er zwar nicht, aber kein Zweifel, was sich vor Macbeths innerem Auge abspielt), das ist nicht die übliche Opern-, die Sängergeste, das ist schauspielerische Detailarbeit, mit der er auch auf eine Theaterbühne gehen könnte. Dieser Macbeth ist individuell ausgefeilt und durchdacht von der ersten bis zur letzten Minute, und das ist es, was Keenlyside (letztendlich in allen seinen Rollen) auf unseren Opernbühnen so bemerkenswert macht. …”

The good, the very good, news for Simon Keenlyside’s Viennese fans (the ones in New York and Milan already know): his voice is back. No less than before, no more than before, it sounds as it always did. And there is the strength to keep going through a fairly long Verdi role without signs of fatigue. And the remarkable technique of fulfilling Verdi’s cantilenas, even without a naturally flowing voice.

The other news is well known: It is not a Verdi voice: it never was, it never will be. Everyone knows it, and it is quite safe to say that Simon Keenlyside also knows it, but has decided in the course of his career to ignore it. Although he has a remarkable repertoire – Mozart (the most neurotic Count, the most eccentric Don Giovanni), Eugene Onegin (an especially remarkable acting achievement in the “gay” production in Munich) and semi or fully modern roles from Wozzeck to Prospero.

But Keenlyside wants to sing Verdi. In this repertoire he has succeeded quite well as Posa; his Germont is an interesting indignant man; we have never seen his Ford in Vienna but we have seen Rigoletto (even before the failed opening night) and Macbeth very well.  Rene in Un Ballo in Maschera, intended for Munich and Vienna but cancelled in both houses, will probably no longer happen.

Keenlyside returned after two years’ absence to the State Opera as Macbeth. He previously sang the opening night and all six following performances of the disastrous 2009 Nemirova production. He now returns in the production by Christian Räth which has shown itself to be useful as part of the repertoire. Visually quite boring in drab grey with a military look, the tragedy in it is told logically and convincingly and gains the necessary irrational dimension through the skillful portrayal of the witches.

And Simon Keenlyside shows how an ordinary opera evening can become an exciting one if a very uninspired singer is replaced by a singing actor who makes Macbeth a thoroughly thrilling study. Rendered insecure from the beginning by the prophecy of the witches, he loses the ground under his feet when he returns after the murder with bloody hands. The way he wipes these hands, which have become a constant reminder of his guilt, over and over again with a handkerchief  is a remarkable acting detail. Macbeth is on the edge of a nervous breakdown, there is no show of obligatory fright at the banquet when he sees Banquo- (in this production Banquo does not appear but is no doubt what is seen in Macbeth’s mind’s eye)  -this is not the usual operatic singer’s gesture, this is attention to acting detail with which he could equally use on a theatre stage. This Macbeth is individually refined and thought out from the first to the last minute. And this is what makes Keenlyside remarkable on our opera stages (ultimately in all his roles).

Heinrich Schramm-Schiessl, der-neue-merker.eu, 9.12.16

” … Warum Simon Keenlyside unbedingt die grossen daramatischen Verdi-Partien singen muss, bleibt mir ein Rätsel. Die Stimme strömt zwar sehr schön und so gelang ihm auch die Arie sehr gut. An den dramatischen Stellen, wie z.B. der Bankettszene, gelangt er ziemlich an seine Grenzen. Da klingt die Stimme plötzlich nicht mehr und man merkt die Anstrengung. Auch vermag er nicht diese Mischung aus getriebenem Schwächling und brutalem Despoten über die Rampe zu bringen. …”

” … Why Simon Keenlyside at all costs has to sing the big dramatic Verdi parts is a mystery to me. Although his voice flows very beautifully and the aria succeeded very well, but at the dramatic moments eg in the banquet scene he reaches his limits: the voice no longer sounds good and you notice the strain. He also is not able to show off the mixture of driven weakling and brutal despot. …”

Wilhelm Sinkovicz, Die Presse, 9.12.16

“Jubel um Simon Keenlysides Comeback
Der Baiton kehrte als Macbeth an die Staatsoper zurück
Lang hat es gedauert, der Schreck der “Rigoletto”-Premiere, als der Publikumsliebling im zweiten Finale von der Bühne abgehen musste, sitzt allen, die dabei waren, noch in den Knochen. Doch nun ist Simon Keenlyside zurück: Wiederum war es Verdi; als Macbeth feierte der Künstler sein Comeback – und erntete Jubelstürme.

Die Stimme hat sich ganz erholt, sie strömt in den lyrischen Partien, die Verdi für seinen Macbeth auch parat hält, frei und wohltönend; und sie verfügt über alle Farben und Schattierungen, die nötig sind, die vielen Zwischentöne, das Grauen, die Angst, aber auch den zynischen Triumph hörbar werden zu lasen.   …”

Rejoicing at Simon Keenlyside’s Comeback
The baritone returned to the State Opera as Macbeth
It took a long time. The alarm of the opening night of Rigoletto, when the audience’s favourite had to leave stage during the end of the second Act, is still felt to the core by those who witnessed it. But now Simon Keenlyside is back. And again it was Verdi. As Macbeth he celebrated his comeback – and raised storms of cheers.

The voice is totally recovered, it flows in the lyrical parts which Verdi wrote for his Macbeth, free and sounding beautiful, and it has all the colours and shades necessary to render audible the many tones, the horror, the fear, but also the cynical triumph.

Susanne Zobl, News.at, 10.12.2016

Fabelhaftes Comeback als Macbeth
Die Repertoire-Aufführung von Verdis „Macbeth“ wurde durch den Titeldarsteller zum Ereignis an der Wiener Staatsoper
Zwei Jahre ist es her, als der Bariton von Weltrang, Simon Keenlyside, bei der Premiere von Verdis „Rigoletto“ die Bühne verlassen musste. Stimmlich aufgrund einer Viruserkrankung schwer angeschlagen, musste Simon Keenlyside im zweiten Akt seinen Auftritt unterbrechen. Eigentlich hätte er sofort die Bühne verlassen müssen, doch der Brite kämpfte sich als Rigoletto trotz des widrigen Dirigats von Myung-Whun Chung bis zum Ende des Aufzugs durch. Was folgte, war eine lange Pause Keenlysides. Nun ist er im Vollbesitz seiner Stimmkraft wieder zurück, wie er in Verdis „Macbeth“ an der Wiener Staatsoper zeigt.
Der noble Bariton, der über ein breites Spektrum an Farben verfügt, leuchtet wie einst. Simon Keenlyside gibt von Verdis tragischen, mörderischen Helden darstellerisch und stimmlich eine fein nuancierte Charakterstudie. Er zeigt einen Mann vom Gemüt eines einfachen Kämpfers, der sich von seiner Ehefrau zu grausamen Untaten treiben lässt und daran zugrunde geht. Als hätte er niemals pausieren müssen, führt Keenlyside seinen wohltönenden Bariton durch jede Phrase sicher und stark.  ….”

 

“Fantastic Comeback as Macbeth
The repertory performance of Verdi’s Macbeth became an event at the Vienna State Opera because of the singer in the title role.
It has been two years since the internationally renowned baritone was forced to leave the stage during the opening night of Verdi’s Rigoletto. Vocally badly afflicted by a viral illness, Simon Keenlyside had to interrupt his performance during the second act. He should actually have left the stage at once, but the Briton struggled through until the end of the act in spite of the adverse conducting of Myung Whun Chung. A long break by Simon Keenlyside followed. Now he is back in full possession of his vocal strength, as he demonstrated in Verdi’s Macbeth at the Vienna State Opera.
His noble baritone voice, which has a broad spectrum of colours at its command, shines  as before. Both in his acting and singing, Simon Keenlyside presents a subtly nuanced character study of Verdi’s tragic, murderous hero. He shows a man with the mind of a simple warrior  who is driven by his wife to cruel crimes and falls apart  because of it. As if he had never had to take a break, Keenlyside leads his beautiful sounding baritone voice surely and strongly through each phrase.  …”

Elena Hebermann, der-neue-merker.eu, 12.12.16

Ihr schwacher folgsamer Gatte wird von Simon Keenlyside großartig dargestellt, man glaubt ihm die Angst vor der eigenen Courage, das sich gegen das Schicksal aufbäumen und natürlich diese willenlose Abhängigkeit von dieser Frau. Auch stimmlich kommt er sehr gut über die Runden, singt alles viel schöner als in der misslungenen vorangegangenen Premiere. Er ist stimmlich sehr gut unterwegs, konditionell allerdings noch nicht so ganz auf der Höhe.

Simon Keenlyside plays her weak, obedient husband excellently, You believe in him getting cold feet, in his rebelling against fate and, of course, in his weak willed dependence on his wife. Also vocally he pulls through well and sings everything much better than in the failed earlier opening night (of Rigoletto in 2014). He has recovered very well vocally, although he is not yet totally on top form.

Dominik Troger, Operinwien, 19.12.16

Räths Inszenierung ist schon bei der Premiere vor etwas mehr als einem Jahr als solide Produktion für das Repertoire gehandelt worden – und dieses Versprechen hat sie eingelöst. Nach der unsäglichen Inszenierung am Theater an der Wien lernt man dergleichen zu schätzen. Und wenn – wie an diesem Abend – Lady und Macbeth ihr schauspielerisches Talent auspacken, dann beleben sie die Betonwände des auf die Bühne gestellten Macbeth-Bunkers überraschend stark – und Verdis nach Shakespeare gebautem Bühnenalbtraum steht dann nichts mehr im Wege.

Diese „Macbeth“-Serie an der Wiener Staatsoper wusste zudem mit einer guten Nachricht aufzuwarten: Simon Keenlyside ist zurück, auch wenn er stimmlich einen etwas unausgewogenen Eindruck hinterließ, und in den dramatischen Passagen einige Herausforderungen zu bewältigen hatte. Das „Pietà, rispetto, amore“ gelang ihm hingegen ausgezeichnet. Hier strömte die Stimme frei und entfaltete das viril-schmeichelnde Potenzial seines Kavalierbaritons, der bei den grimmigen Verdihelden schon in der Vergangenheit immer ein wenig über seine Ressourcen hinauszuwachsen hatte. Aber Keenlysides großes Plus sind dann seine darstellerischen Fähigkeiten. In diesem Fall hat er den Charakter Macbettos in Details entwickelt, die fast schon beängstigend genannt werden müssen.

Keenlysides „Bühnennaturalismus“ vergisst keine Nuance und spuckt sich – nachdem er im Finale erdolcht worden ist – sogar in den Tod. Man hat den Eindruck, dass der Sänger stundenlang Videos studiert haben könnte wie sich Menschen im Schlaf bewegen. Und dass er in der zweiten Hexenszene, die hier als Traum gegeben wird, den Polster im träumenden Schlaf zwischen die Beine klemmt, hat das Erscheinen der Hexen vielleicht auch mit sexuellen Reizen mehrdeutig verbunden.

Der Sänger hat ein Psychogramm dieser Figur entwickelt, das er minutiös umgesetzt hat: Er unterlegte den schwachen Helden mit neurotischen Gebärden, er flüchtete sich in den Schutz der Lady, den selbige in Form von Martina Serafin mit sublimer Berechnung gewährte. Viele Details im Gesichtseindruck eröffnete einem erst das Opernglas. Er wirkte fahrig, getrieben, dann ermannte er sich wieder, wenn der Hauch der Lady ihn streifte. Die „Eheszene“ im großen Doppelbett vor Banquos Ermordung war von exemplarischer Wirkung: Serafin im schwarzen Unterkleid hatte ihren Macbeth völlig in der Hand, der den Kopf auf ihren Schoss bettete und sich so Mut zuführte.

At its premiere a year ago Räth’s staging was considered a solid production for the repertory, and this promise has been fulfilled. After the unspeakable production at the Theater an der Wien, this is appreciated. And when – as during this evening – Lady Macbeth and Macbeth himself open up their acting skills, they revitalize surprisingly strongly the cement walls of the bunker which is seen on stage. And then nothing gets in the way of Verdi’s Shakespeare-based nightmare.

This run of Macbeth at the Vienna State Opera brought more good news. Simon Keenlyside is back, even if he gave the impression of being vocally unbalanced and had to manage some challenges in the dramatic passages. He managed the aria “Pietà, rispetto, amore” excellently. In this aria his voice flowed without limit and revealed the virile potential of his Kavalierbariton* voice. In the past when singing Verdi’s grim heroes his voice was stretched beyond his resources. But Keenlyside’s great plus is his acting ability. In this case he developed the character of Macbeth in almost frightening detail.

Keenlyside’s naturalism on stage misses no nuance and after he is stabbed in the finale he spits himself to death. You get the impression that the singer has spent many hours studying videos of how humans move in their sleep. And when, in the second scene with the witches, which is shown here as a dream, he puts the pillow between his legs in his sleep, the appearance of the witches is perhaps also connected with sexual appeal.

The singer has developed a psychological portrait of this role, which he implements minutely. He underlines the weak nature of the hero with neurotic gestures and takes refuge in the protection of his wife, a role superbly performed by Martina Serafin. Only through opera glasses was the huge amount of details in his facial expressions revealed. The “marriage scene” in the huge double bed before Banquo’s murder made an outstanding impact – Serafin, in a black underslip, had Macbeth totally in her control, as he lay in in her lap to give himself courage.

Kavalierbariton is a metallic voice that can sing both lyric and dramatic phrases, with a manly noble baritone colour, with good looks”

theoperacritic.com, Moore Parker    (fee payable)

“…..In the title role, it was pleasing to see Simon Keenlyside return to the house – quite evidently in fine vocal form, and displaying his customary artistry and thoughtful approach. This Macbeth stands well paired with Martina Serafin’s towering Lady, frustrated by his dependency, yet subject to her erotic charm and her inner strength and willpower. Their subtle interaction was compelling on this evening, with each artist appearing to thrive upon the other’s craft…..”

 

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