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2014-1, Vienna, Nozze di Figaro

Le Nozze di Figaro

Composer: Wolfgang Amadeus Mozart
Librettist: Lorenzo da Ponte after Beaumarchais
Venue and Dates: Vienna Staatsoper
January  9, 12, 15

Conductor: Jérémie Rhorer
Direction: Jean-Louis Martinoty
Staging: Hans Schavernoch
Costumes: Sylvie de Segonzac
Light: Fabrice Kebour

Conte d’Almaviva: Simon Keenlyside
Contessa d’Almaviva: Olga Bezsmertna (replacing Genia Kühmeier)
Susanna: Anita Hartig
Figaro: Luca Pisaroni
Cherubino: Rachel Frenkel
Marcellina: Donna Ellen

Basilio: Pavel Kolgatin Don Curzio: Peter Jelosits
Bartolo: Sorin Coliban
Antonio: Clemens Unterreiner
Barbarina: Bryony Dwyer

Photo Gallery

 Sound Bites

Renate Wagner, Der neuen Merker(Online), 10.1.2014

” … Wie die Staatsoper beim Contest letzten Endes aussteigen wird, muss sich zeigen, aber eines ist sicher: Mit Simon Keenlyside hat man einen der interessantesten Interpreten des Almaviva, den  man sich denken kann. Endlich wieder Mozart für ihn – jener Komponist, bei dem er mit seiner Stimme (die umso schöner ist, je weniger er sie forciert) ebenso wie mit seiner bemerkenswerten Technik aus dem Vollen schöpfen kann, ohne sich weiter anzustrengen, und Gesang und Darstellung zu einer vollendeten Studie zusammenfügt. Man hat von ihm gar nicht so viel Mozart in Wien gesehen – ein paar Mal seinen drolligen Papageno, dann 2006 gerade dreimal den „Don Giovanni“ in der de Simone-Inszenierung, gut gemacht, aber keinesfalls so sensationell wie seine exzessiven Giovannis in London und Zürich (zum Glück gibt’s DVDs).

Seinen ersten Wiener Almaviva sang Simon Keenlyside 2001 und 2002 in der legendären Strehler-Inszenierung im Theater an der Wien, dann stieg er zwischen 2004 und 2007 ein paar Mal in die Ponnelle-Inszenierung auf der Staatsopernbühne ein. Besonderen Schliff erhielt seine Rollengestaltung, als er 2011 in der Inszenierung von Claus Guth bei den Salzburger Festspielen mitwirkte: Die Studie eines Zwangsneurotikers war schlechtweg hinreißend. Er konnte diese extreme Version natürlich nicht eins zu eins in die – schweigen wir darüber! – Martinoty-Inszenierung übertragen, aber da ist schon vieles, das diesen fabelhaft gesungenen Almaviva zum großen darstellerischen Ereignis macht. Der Mann ist – nervös, nahezu am Rande eines Nervenzusammenbruchs, und das durch seine Untergebenen, die dauernd um ihn herumfieseln und ihn wahnsinnig machen. Die Männer sowieso, und die hält er sich auch handgreiflich und wütend vom Leib (und spielt, als amüsantes Detail, auf den Partner eingehend, wie unbehaglich sich der Graf fühlt, dass der Figaro – von Luca Pisaroni – entschieden größer ist als er und so eine zusätzliche unbewusste Bedrohung darstellt). Und die Frauen machen diesen unberechenbaren, undisziplinierten, immer ärgerlichen Almaviva noch nervöser, weil er alle haben will und eigentlich (mit Ausnahme der kleinen Barbarina, wie es scheint) keine haben kann.

Keenlyside spielt die Hilflosigkeit des nur scheinbar Mächtigen in zahllosen, brillant durchdachten Details aus und gibt einen fiesen Charakter als solchen preis. Und dennoch – am Ende geht er (was in dieser Albernheit-Inszenierung an sich verschmäht wurde) vor der Gräfin in die Knie, was ohnedies die einzige Möglichkeit ist, die Figur zu retten, ja, es scheint sogar, als ob er sich mit einer Geste bei Figaro entschuldigt … und so bekommt der Graf doch noch seine Würde wieder. Die Blödsinns-Idee, die immer gestört hat, dass die Gräfin und Figaro sich am Ende sehnsüchtige Blicke zuwerfen (nein, das steht nicht in der Musik), ist gänzlich ausgemerzt, und die Ehrlichkeit, mit der ein quasi erleichterter Graf seine Frau umarmt, gibt dem Ende etwas Wunderbares (und lässt annehmen, dass die beiden gleich Versöhnung feiern werden – kein Wunder, so hübsch, wie die Gräfin ist…) …”

Daniel Wagner, Wiener Zeitung, 10.1.2014

” … Simon Keenlyside spielte in der 21. Aufführung von Jean-Louis Martinotys anschaulichem Ikonografie-Sammelsurium wieder den alles beherrschenden Grafen Almaviva – die dem Sänger fast gewohnheitsmäßig abverlangte “Wucht” blieb aus. …”

Wilhelm Sinkovicz, Die Presse,10.1.2014

” … Die klug auch Elemente des Vorbildstücks von Beaumarchais einbindende Inszenierung ist von hintergründigem Charme.Den nützen auch die Herren, voran der Almaviva von Simon Keenlyside, der kein Fettnäpfchen auslässt, aber doch immer erfolgreich seine adelige Contenance wiederzufinden sucht, ehe ihn die subtil gesponnene Intrige endgültig in die Knie zwingt. …”

Ernst Kopica, Der neue Merker (online), 13.1.2014

“Einen zwiespältigen Abend hinterließ die Sonntagabend-Aufführung der Wiener Staatsoper, dabei stand mit Le Nozze di Figaro die wohl brillanteste der drei Daponte-Mozart-Opern als richtiger Publikumshit auf dem Programm. Aber es wollte und wollte keine rechte Stimmung im Haus aufkommen, obwohl mit Simon Keenlyside diesmal ein Conte d’Almaviva von Weltformat auf der Bühne stand.  … Dabei waren die Vorzeichen äußerst erfreulich, denn Simon Keenlyside konnte sowohl als Sänger (mit profunder Technik und ausgewogener Mischung aus Parlando und Schöngesang) als auch in schauspielerischer Hinsicht brillieren. Er bewies einmal mehr, dass man für eine „Nozze“ eigentlich gar keinen Regisseur benötigt, wenn die Protagonisten den Text und den Inhalt des Stückes im kleinen Finger haben. …”

Kurt Vlach, Der neue Merker (online), 16.1.2014

LA NOTTE DI KEENLYSIDE

“Die als „Le Nozze di Figaro“ angekündigte Oper wurde zu einer Nacht und zu einem großen persönlichen Erfolg für Simon Keenlyside. Der studierte Zoologe brachte alles mit, was einen erfolgreichen Conte d’Almaviva ausmacht – die Persönlichkeit, das Timbre und die für Mozart-Rollen unerlässliche perfekte Technik und Phrasierung. Dann natürlich auch noch die Erfahrung in dieser Rolle aus vielen verschiedenen Produktionen, die er auch einbringen konnte (und angesichts dieser Inszenierung auch musste). Keenlyside beherrschte jede Szene,  in der er auftrat – und rein von seiner Körpersprache grenzte er sich als einzig „wirklicher“ Adeliger (seine Rosina wuchs ja in gutbürgerlichen Verhältnissen in Sevilla auf) vom „Pöbel“ eindeutig ab. Er war sehr bewegungsfreudig und in diesem Conte brodelte ein Vulkan, der immer wieder kurz ausbrach, bevor ihn sein Selbstverständnis dazu anhielt, die adelige Noblesse zu bewahren.

 Die für mich beeindruckendste Szene was das Ende der Oper, als er ziemlich derangiert, nur mit einem Schuh hinkend, sein „Contessa, perdono“ sang und dann auch die Vergebung seiner Frau erhielt – die in dieser Produktion wirklich ehrlich gemeint war – man sah ein sich zärtlich umarmendes Paar und konnte die Hoffnung hegen, dass Rosina und ihr „Lindoro“ wieder zusammenfinden. … Der Abend lebte einerseits von Keenlyside, andererseits von den Melodien der meines Erachtens nach perfektesten aller Opern.”

Silvia Herdlicka, Wiener Merker (Printversion), Feb 2014 – 9.1.2014

” …  Am erfolgreichsten war dank seiner Routine und perfekten Technik Simon Keenlyside als Graf Almaviva. Man hörte ihn in Wien zuletzt vor 7 Jahen in diese Rolle. Er hat trotz seiner Entwicklung zum Verdi-Sänger noch immer das ideale samtige Timbre und die feine Phrasierung eines Mozart-Baritones. Nicht nur seine überragende  sängerische Leistung, sondern auch seine temperamentvolle Darstellung eines – da siene Vorhaben ja nicht klappen wollen – ziemlich genervten Aristrokraten, der seinen Frust die Untergebenen ganz schön spüren läßt, erfreute und überzeugte das Publikum.

Elena Habermann, Wiener Merker (Printversion), Feb 2014 – 11.1.2014

” … Ihr ungetreuer Conte war bei Simon Keenlyside in der allerbesten Kehle. Keenlyside singt in perfektem Mozartstil, beschäftigt sich aber auch darstellerisch sehr mit der Gestalt des adeligen “Feudalbürscherls” und hat eine sehr feine Komik anzubieten. …”


				

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Helene Schuster January 16, 2014 at 2:56 pm

I have been a ” Keenlyside” fan since I first saw him as Almaviva during the Vienna Festival. For me, Mr. Keenlyside is not only the best Almaviva but also an excellent actor with a great sense of humour. Yesterday’s performance in Vienna was excellent and enjoyable as always. What a sympathetic and modest singer. Simply adorable.

Inci Birsel January 14, 2014 at 3:14 pm

WOW ! Fantastic reviews. Bravo SK. He was exceptional up to the tiniest detail.Enjoyed it tremendously and was also great to get together with my friend Sue and meet the ‘Keenlysiders’ who do such a wonderful job with this site.. Thank you

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