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2013-09, Vienna Staatsoper, La Traviata

La Traviata

Composer Giuseppe Verdi
Libretto Piave after Dumas fils
Venue and Dates Vienna Staatsoper
3,6,9,12 September 2013

Conductor: Marco Armilliato
Director: Jean-Francois Sivadier
Staging: Alexandre de Dardel
Costumes: Virginie Gervaise
Light: Philippe Berthomé
Choreography: Boris Nebyla

 

Violetta Valery: Aleksandra Kurzak, Desirée Rancatore (9.9.), Marina Rebeka(12.9.)
Alfredo Germont: Massimo Giordano
Pere Germont: Simon Keenlyside
Flora Bervoix: Zoryana Kushpler
Anna: Donna Ellen
Gaston: Jinxu Xiahou
Baron Douphol: Gabriel Bermúdez
Marquis D’Obigny: Hans-Peter Kammerer
Dottore Grenvil: Dan Paul Dumitrescu
Giuseppe: Diritan Luca
Kommissionär: Wataru Sano
Domestico: Roman Lauder              

 

Sound Bites

Walter Weidringer, DIe Presse, 5.9.2013

” … Und Simon Keenlyside? Der gefeierte Posa mag vom Stimmtyp her kein genuiner Verdi-Bariton sein, kann aber auch den Padre Germont trotz rauer gewordenen Timbres und gerade im klugen Wissen um seine Grenzen differenziert und einfühlsam singen. Einfühlsam, das heißt hier, einen eiskalten Geschäftsmann darzustellen, der seine Appelle ans Mitleid bei der Kurtisane so kalkuliert einsetzt wie beim eigenen Sohn, um erst zu mehr Menschlichkeit zu finden, wenn es zu spät ist: ein eindringliches Porträt.”

Renate Wagner, Der Neue Merker, 3.9.2013

” … Simon Keenlyside ist genau der Mann, die „Herumsteh-Partie“ des Vaters Germont interessant zu machen. Wenn er zu Violetta kommt, ist der gute Mann schlechtweg wütend, dass er sich da mit der Freundin (um nicht zu sagen: Nutte) des Sohnes herumstreiten muss, und er behandelt sie wirklich unschön. Als sie von ihm zum Dank für ihren Verzicht „als Tochter“ umarmt werden will und ihn ihrerseits umarmt, windet er sich vor Verlegenheit. Keenlyside schafft es, seiner Stimme in diesem Teil der Szene teilweise eine Art raues Bellen zu unterlegen, das besonders stark zu dem kontrastiert, was man dann hört: Denn der Mann ist nicht nur im Benehmen, sondern auch stimmlich wie verwandelt, wenn er mit seinem Sohn spricht, den er unbedingt wieder in den Schoß der Familie führen will. Da klingt das leierkastenartige „Di Provenza il mar il suol“ dann so sentimental-richtig, wie Verdi es als Beschwörung des Vaters angelegt hat.

Im übrigen wiederholt sich nach dem Rigoletto doch der Eindruck, dass Keenlysides Stimme einerseits für Mozart, andererseits für die Moderne geschaffen ist. Das Strömen der Verdi-Kantilene hat er nicht, er muss es „machen“, was ihm durchaus gelingt, wenn dabei auch manches Forcieren unvermeidbar ist. Aber ein Sänger muss sich entscheiden, und wer will ihm vorwerfen, dass er sich nicht in ein viel zu kleines Fach einsperren lassen möchte? Zumal er als Persönlichkeit ohnedies alles und alle in die Tasche steckt. …”

 Dominik Tröger, Oper in Wien, 3.9.2013

” … „Vater“ Simon Keenlyside hat in seinem psychologisierenden Spiel nicht zum Auftreten seines Sohnes gepasst. Der Hang zum psychologischen Ausreizen der Charaktere stößt für meinen Geschmack bei Verdi prinzipiell an gewisse Grenzen: Keenlysides etwas „gedrückte“ und defensive Körperhaltung, die zwängliche Art wie er den Mantel über den Sessel legte, seine Stirnschweißabtupfen im Gespräch mit Violetta. Auffallend war, wie wenig Keenlyside den selbstsicheren Patriarchen hervorkehrte und wie er in den Auseinandersetzungen mit seinem Sohn schon neurotisch anmutende Berührungsängste zeigte. Nachdem Alfredo auf dem Maskenball bei Flora Violetta heruntergemacht hat, setzte es vom Papà nur einen „Klaps“ auf den Rücken. Wenn man sich daran erinnert, welch kraftvoll ausgeführte „Watschen“ Thomas Hampson unlängst an der Staatsoper „seinem Sohn“ gesteckt hat, dann darf man als Zuseher schon nach den unterschiedlichen Erziehungsmethoden fragen. Kann es sein, das Keenlysides Germont tief in Selbstvorwürfen verstrickt war oder dass er von einen verklemmten Puritanismus gepeinigt wurde? Gesanglich scheint der Giorgio Germont dem Sänger zu liegen – aus meiner Sicht war es Keenlysides bis dato überzeugendste Verdi-Leistung am Haus (und den stärksten Szenenapplaus erhielt er außerdem). Sein Bariton strömte kernig, aber nicht zu rauh, immer unter Kontrolle des Sängers, die lyrischen Momente ebenso zur Geltung bringend wie die großen Gefühlsaufwallungen. …”

Lukas Link, Der Neuer Merker, 3.9.2013

” …   Den besten Eindruck des Abends hinterließ der Giorgio Germont von Simon Keenlyside – nämlich einen makellosen. Die Stimme strömte herrlich in Verdi’s Kantilenen – was natürlich besonders bei Provenza il mar zum Tragen kam und den stärksten Szenenapplaus des Abends evozierte. Auf der anderen Seite jedoch konnte er mit seinem virilen und kernigen Bariton auch den von Konventionen geleiteten Mann mit Autorität ausstatten. Zudem war er stilistisch sicher im Vortrag und Keenlyside ließ hören, dass er neben den kräftigen Tönen nach wie vor zu zärtlichsten Piani fähig ist.
Der Bariton aus London gab einen sehr jugendlich wirkenden Papa Germont, der flotten Schrittes die Szenerie betrat und der eher wie der attraktive Bruder des Alfredo denn als sein Vater wirkte. Keenlyside’s außerordentliche schauspielerische Fähigkeiten sind hinlänglich bekannt und man konnte sich schon im Vorhinein denken, dass dieser Germont nicht nur zugeknöpft und steif vor Violetta treten wird. Nein, Keenlyside ist ein sehr „flotter“ Germont, der sich neugierig in Violetta’s Haus bewegt und der die Veränderung vom strengen Mann zum mitfühlenden väterlichen Freund eindrucksvoll zu veranschaulichen weiß.
Nach dem Rodrigo ist der Germont wohl Keenlyside’s derzeit beste Verdi-Rolle. ….  Das Publikum zeigte sich am Ende begeistert und spendete vor allem Kurzak und Keenlyside viel Jubel.

Kurier, 5.9.2013

” … Den großartigen Bariton von Simon Keenlyside als Vater Germont zu hören, war ebenfalls ein hinreißendes musikalisches Erlebnis. …”

” … To hear the fabulous baritone Simon Keenlyside as Father Germont was also a captivating musical experience. ….”

 Lukas Link, Der Neue Merker, 9.9.2013

LA TRAVIATA am 9. September 2013

” … Der beste Sänger des Abends hieß erneut Simon Keenlyside, der mit seinem virilen und kernigen Bariton einen souveränen Giorgio Germont sang und darstellte. Zum Höhepunkt und meistbeklatschten Moment des Abends wurde Di provenza il mar, doch auch das große Duett mit Violetta im zweiten Akt gelang ausgezeichnet. Besonders auffällig an diesem Abend: Keenlyside’s hervorragende Pianokultur – es ist ein Genuss zu hören, wie dieser Mann leise singen kann. … Nach etwas mattem erstem Akt wurde das Publikum immer „präsenter“, spendete reichlich Szenenapplaus und feierte am Ende der Vorstellung vor allem Keenlyside und die Einspringerin Rancatore.”

Elena Habermann, Der Neue Merker, 9.9.2012

” … Einzig wirklich sehr gut war wieder Simon Keenlyside als Germont pere. …”

Peter Skorepa, Der Neue Merker, 12.9.2013

Giuseppe Verdi “LA TRAVIATA”,12. September 2013, 25. Aufführung

” … Verbleibt nur einer aus der Riege der Hauptdarsteller, der seiner Rolle und dem Komponisten voll gerecht wurde: Simon Keenlyside als Giorgio Germont, gibt diesem zwischen hart vertretener Familienehre, Mitleid und Reue Schwankenden beachtliches stimmliches und darstellerisches Profil und reiht sich mit dieser Leistung in die Reihe der großen Darsteller dieser Rolle an diesem Haus ein. Und die Wertung in der genannten Reihe großer Baritonisten kann dann nach persönlichem Geschmack vorgenommen werden, die Auswahl ist ja nicht gerade klein. … Die größten Anteile vom Schlußapplaus bekamen erwartungsgemäß Marina Rebeka, Simon Keenlyside und Marco Armiliato.”

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